WISSENSWERTES  
    WIE SEHEN UNSERE HAUSTIERE?

Manchmal wird von Tierbesitzern argumentiert, der Hund sei ein Nasentier, es mache nichts, wenn er nichts sehe. Sicher ist der Geruchs- und Gehörsinn bei Hund, Katze und Pferd sehr stark ausgeprägt, aber auch ihr Sehvermögen ist auf ihre Veranlagung als Jäger bzw. Fluchttier abgestimmt.

Entgegen der verbreiteten Meinung, Hunde, Katzen und Pferde sähen nur Grautöne, können sie stattdessen doch Farben im Grün-Blau-Bereich erkennen, allerdings kein Rot.

Das Dämmerungssehen ist bei Katze und Hund sehr viel besser ausgebildet als beim Menschen. Dies ist unter anderem durch das Tapetum lucidum, eine den Haustieren eigene, reflektierende Schicht der Netzhaut bedingt. Sie ist dafür verantwortlich, dass die Augen der Tiere im Dunklen grün-gelblich leuchten, wenn sie angestrahlt werden.

Die Sehschärfe unserer Haustiere beträgt nur 20 bis 40% derer des Menschen (d.h. ein Hund sieht einen Gegenstand, den ein Mensch in 27 m Entfernung scharf sieht, erst in 6 m Entfernung scharf), vielmehr ist das Sehvermögen unserer jagenden Haustiere auf Bewegung optimiert.

Pferde (ebenso Kaninchen und Meerschweinchen) als Fluchttiere sind darauf angewiesen, Feinde schnell zu erkennen. Durch ihre seitlich am Kopf stehenden Augen beträgt ihr Gesichtsfeld fast 360 Grad. Beim Pferd werden die Bilder beider Augen einzeln aufgenommen und im Gehirn übereinandergelegt.


WIE GEHT MAN MIT BLINDEN TIEREN UM?

Aus den Kenntnissen über das Sehvermögen der Haustiere lässt sich entnehmen, dass eine intakte Sehfähigkeit erheblich zur Lebensqualität der Jäger Hund und Katze bzw. der Fluchttiere Pferd, Meerschweinchen und Kaninchen beiträgt.

Aber manchmal ist trotz allen augentierärztlichen Bemühens um Erhalt der Sehfähigkeit ein Erblinden unabwendbar. Hier ist es für Besitzer wichtig zu wissen, dass Tiere auch hiermit gut zurechtkommen können, Erblindung zwingt also keinesfalls zur Euthanasie.

Anfangs sind erblindete Haustiere natürlich verunsichert und stoßen an Hindernisse, aber im Laufe der Zeit finden sie sich immer besser zurecht.

Ihre Besitzer können ihnen hierbei helfen, indem sie in der Wohnung nichts verändern, gefährliche Stellen sichern (Swimming-Pools, Treppen, etc), Katzen zunächst nicht ins Freie lassen und Hunde an der Straße an der Leine halten.

Vor allem sollten blinde Tiere auf akustische Signale trainiert werden (z.B. 'Achtung' als Befehl zum Stehenbleiben) oder Spielzeuge mit Glöckchen oder Ähnlichem bekommen.

Auch ist es hilfreich, ein sehendes 'Begleittier' anzuschaffen, an dem sich das blinde orientieren kann.


WIE ERKENNE ICH, DASS MEIN TIER SCHMERZEN AN DEN AUGEN HAT?

Tiere schreien oder winseln nicht bei Augenschmerzen, außer vielleicht im Moment einer akuten Verletzung. Vor allem Pferde und Nagetiere geben keine Lautäßerungen von sich, wenn ihnen etwas weh tut.

Menschen beschreiben Augenschmerz oft als quälenden Kopfschmerz, außerdem wird je nach Grunderkrankung über Stechen, Reiben, Jucken oder Brennen am Auge geklagt.

Bei Tieren beobachten wir oft, dass sie als Zeichen von Augenschmerz eher ruhiger sind und mehr schlafen. Oft berichten die Besitzer erst nach dem Entfernen eines chronisch schmerzenden Auges bei ihrem Tier, dass es 'nun wie neu geboren sei', obwohl sie vorher der Meinung waren, es zeige keinen Schmerz.

Weitere Anzeichen von Schmerz am Auge können sein: Tränenfluss, Zukneifen, häufiges Blinzeln oder Lichtscheue.

Gerade bei Pferden, aber auch bei Katzen und Hunden lässt sich im Zusammenhang mit Augenschmerzen manchmal ein veränderter Gesichtsausdruck beobachten, dieser ist oft bedingt durch eine andere Stellung der Wimpern oder Tasthaare des betroffenen Auges.

Wenn Sie als Besitzer eins dieser Anzeichen bei Ihrem Tier bemerken, sollten Sie unbedingt sofort einen Tierarzt aufsuchen.

Augenerkrankungen sind oft Notfälle und sollten nicht auf die lange Bank geschoben werden. So kann z.B. ein über 48 Stunden erhöhter Augeninnendruck (Glaukom, grüner Star) bereits zum unwiderbringlichen Verlust der Sehfähigkeit führen.


WAS TUN, WENN EIN AUGE ERBLINDET UND DIE SCHMERZEN UNKONTROLLIERBAR SIND?

Wenn ein Tier sein Augenlicht verliert, kann es damit zurechtkommen. Der wichtigste Fokus bei der Behandlung durch den Augentierarzt muss dann aber auf der Vermeidung von Schmerz liegen. Zum Beispiel kommt es beim Glaukom (grüner Star) häufig zur Erblindung durch erhöhten Augeninnendruck, was erhebliche Schmerzen hervorruft. In einem solchen Fall ist dem Tier nicht geholfen, wenn man unnötig lange versucht, das Auge zu erhalten.

Es gibt verschiedene Operationsmethoden, bei denen das schmerzende, durch Erblindung nutzlos gewordene Auge entfernt wird. Die nebenstehenden Bilder sollen zeigen, dass dieser vom Besitzer oft so gefürchtete Schritt zu guten kosmetischen Ergebnissen führt:

Bei der Enukleation wird das gesamte Auge operativ entfernt und die Lider werden zugenäht. Es bleibt dann eine fellausgekleidete Höhle. Diese Methode bedeutet für das Tier die kürzeste Narkosedauer und nach der Operation eine kurze Rekonvaleszenzzeit.

Alternativ kann eine Silikonprothese eingesetzt werden. Dabei wird die Augenhülle, bestehend aus Hornhaut und weißer Augenhaut, belassen. Nur das schmerzende Augeninnere (Linse, Regenbogenhaut, Glaskörper, Ader- und Netzhaut) wird entfernt und stattdessen eine schwarze Silikonkugel implantiert.

Diese Methode bietet sich vor allem bei Tieren an, bei denen aufgrund ihrer Erkrankung ein Verlust beider Augen droht. Durch das Einsetzen von Prothesen können die Tiere noch Augenbewegungen machen, ihre Mimik - und damit ein entscheidender Beitrag zur Kommunikation mit Mensch und Tier - bleibt bestehen. Für den Besitzer ist das Vorhandensein eines bzw. beider Augen bei seinem Tier oftmals besser zu ertragen, als wenn das Auge komplett entfernt wird. Die Narkosedauer bei der Prothese ist etwas länger und es werden über längere Zeit noch Medikamente zur Nachbehandlung benötigt.